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#WDWS2022: 25. JUNI – 3. JULI 2022

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Wasserstoff in einer neuen Weltordnung: Gedankenimpulse der Cratos GmbH

Aktualisiert: 25. Mai

Energievisionen und -strategien im Kontext der Abkehr von russischer Abhängigkeit



Die derzeitige globale Energiesituation hat zu großer Unsicherheit bei der Versorgung mit verschiedenen Energieträgern geführt. Europa und insbesondere Deutschland müssen ihre Versorgung diversifizieren, wenn sie in dieser neuen Weltordnung bestehen wollen.


Mit Blick auf die Sanktionen gegen russisches Öl besteht auch die Möglichkeit, dass die Versorgung mit russischem Gas aufgrund künftiger Entwicklungen in der Ukraine und der Auseinandersetzungen zwischen Russland und der EU vollständig abgeschnitten wird. Während der Ölbedarf leicht durch andere Lieferketten gedeckt werden kann, sieht es bei Gas anders aus, da Hierzulande keine alternativen Versorgungsmöglichkeiten, wie z.B. LNG-Terminals gibt.


Durch seine Vielseitigkeit, sein Speicherpotenzial und seine flexiblen Anwendungsmöglichkeiten, z. B. in der industriellen Wärmeerzeugung oder im Verkehrswesen, bietet sich Wasserstoff als ökologische Alternative an. Dennoch lieferte Russland im Jahr 2020 50 Milliarden Kubikmeter Erdgas nach Deutschland [1]. Dies entspricht einer Menge von 14,7 Millionen Tonnen Wasserstoff, für deren Erzeugung in Deutschland 140 GW Elektrolyseure- Leistung* erforderlich wären (dabei ist das Wasserstoffpotenzial für den Verkehr und andere Anwendungen, die mit anderen fossilen Brennstoffen als Erdgas betrieben werden, noch nicht berücksichtigt). Dies ist weit entfernt von den 10 GW, die die Ampelkoalition bis 2030 anstrebt, oder dem in der deutschen Wasserstoffstrategie genannten Ziel von 5 GW [2].


Um diesen Bedarf zu decken, würden zusätzlich 953 TWh pro Jahr an erneuerbarem Strom** für grünen Wasserstoff benötigt, ausgehend von einem aktuellen Stromverbrauch in Deutschland von 535,64 TWh [3] der noch größtenteils aus fossilen Brennstoffen erzeugt wird.


Obwohl die Abregelung des derzeitigen Ökostroms, der im Jahr 2020 6,1 TWh entsprach [4], ein gewisses Potenzial für die Nutzung zur Erzeugung von grünem Wasserstoff bietet, sind die genannten Ziele aufgrund von Problemen in der Lieferkette, rechtlichen Hindernissen und der „Zusätzlichkeit“ nur schwer zu erreichen. Darüber hinaus stellen Importe eine mögliche Lösung dar. Die meisten Häfen sind jedoch noch nicht auf die Abfertigung großer Mengen Wasserstoff vorbereitet, und angesichts ähnlicher Situationen in anderen europäischen Ländern wird der erzeugte Wasserstoff höchstwahrscheinlich vor Ort verwendet, bevor er über neue oder umgewidmete Pipelines an ausländische Abnehmer exportiert wird.


Alle diese Bedingungen führen zu einer Verknappung der Energieversorgung. Da die Investitionen in die Infrastruktur für fossile Brennstoffe gebremst werden. und der Ausbau der Kapazitäten für erneuerbare Energien langsamer als gewünscht vorankommt, führt die gesamte Situation zu Unsicherheit und einem zunehmenden Wettbewerb um die Energieversorgung. Dabei wird nicht einmal berücksichtigt, dass der Übergang zu grüner Energie zum Wohle unseres Planeten unbedingt notwendig ist. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, dass verschiedene Einrichtungen wie Industrie, Gemeinden und Unternehmen vorausschauend handeln und für die Zukunft richtig planen.


Bei der Betrachtung des eigenen neuen Marktes und Geschäftsumfelds sollten eine Reihe von Kriterien berücksichtigt werden:

  • Preise und Verfügbarkeit von Gas und anderen fossilen Brennstoffen (mit Blick auf die Zukunft)

  • Entwicklungen zur Kostensenkung bei Wasserstoff

  • Integration neuer Technologien

  • Verfügbarkeit und Kosten alternativer Endverbrauchsmaschinen und -geräte

  • Verbundnetze (Netze, Pipelines und Export-/Importtransport)

  • Standort und Verfügbarkeit von EE, Speicherung und Versorgung mit fossilen Brennstoffen

  • Entwicklung der CO2-Preise

  • Emissionsbeschränkungen (z. B. Methanlecks)

  • Elektrizitätsmärkte, Elektrifizierung und Zusätzlichkeit

  • Rechtliche Rahmenbedingungen

  • Finanzielle Unterstützungssysteme

Und die individuellen Ziele und Bedürfnisse der einzelnen Unternehmen sollten sorgfältig berücksichtigt werden, z. B:

  • Versorgungssicherheit

  • Energieunabhängigkeit

  • Effizienz und Energieeinsparung

  • Kriterien der Nachhaltigkeit

  • Kosten

  • Qualität der Leistung (z.B. konstante und stabile Leistung oder Energieversorgung)

  • Bedürfnisse und Werte der Interessensgruppen/Stakeholder

Mit solchen Überlegungen kann man eine zukunftssichere Energievision entwickeln, um die genannten Ziele zu erreichen. Dies ermöglicht auch Wasserstoff zum richtigen Zeitpunkt durch eine umfassende Energiestrategie einzuführen.



Cratos GmbH ist ein Beratungsunternehmen, das verschiedene Dienstleistungen im Bereich Wasserstoff und Energie anbietet, darunter: Entwicklung neuer Energievisionen und -strategien, Modellierung und Systemdesign, Projektmanagement sowie Optimierung und Integration von Energiesystemen. Zu den Kunden von Cratos gehören Industrieunternehmen, Kommunen, Erzeuger erneuerbarer Energien, Energienetzbetreiber und viele mehr. Besuchen Sie unsere Website (www.cratos.de) und laden Sie unser aktuellen White Paper herunter.




*Annahme eines Wirkungsgrads von 70% und eines Kapazitätsfaktors von 5000 Vollstunden pro Jahr.

** Annahme für 65 kWh/kgH2 (System nicht auf Stack ebene)

[1] D. I. W. Berlin, „DIW Berlin: Energy Supply Security in Germany Can Be Guaranteed even without Natural Gas from Russia“. https://www.diw.de/de/diw_01.c.839511.de/publikationen/diw_focus/2022_0007/energy_supply_security_in_germany_can_be_guaranteed_even_without_natural_gas_from_russia.html (zugegriffen 4. Mai 2022).

[2] FuelCellsWorks, „Germany To Double 2030 Hydrogen Production Target To 10GW“. https://fuelcellsworks.com/news/germany-to-double-2030-hydrogen-production-target-to-10gw/ (zugegriffen 4. Mai 2022).

[3] IEA, „Germany - Countries & Regions“, IEA, 2020. https://www.iea.org/countries/germany (zugegriffen 4. Mai 2022).

[4] BNetzA, „Bundesnetzagentur - Monitoringberichte“, 2022. https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/ElektrizitaetundGas/Monitoringberichte/start.html (zugegriffen 4. Mai 2022).


Bildquelle: Cratos GmbH

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